Da wir ja kein Geld haben, aber trotzdem in Urlaub fahren
wollten, wählten wir uns also als Reiseziel MALLORCA - die Lieblingsinsel
der Deutschen - aus. Also ging es los zur Hauptreisezeit, wenn Hinz und
Kunz wegfahren, nach Mallorca. Dort bin ich persönlich noch nie gewesen.
Es zog mich auch nicht viel dahin. Denn ich hatte genügend über
Mallorca und die dort einkehrenden Menschen gehört und gesehen, aber
man muß natürlich immer selbst dort gewesen sein, um sich ein
Urteil bilden zu können.
Also buchten wir Lastminute zum Pauschalpreis: 1 Woche
ALL INCLUSIVE für sage und schreibe 600,- DM. Natürlich wussten
wir, dass man dort keine großen Erwartungen stellen konnten, jedoch
was wir dort erlebt haben, ist es wert, veröffentlicht zu werden.
Wir bekamen unsere Tickets - und gleich noch vier andere
Tickets von wildfremden Menschen dabei - per Post geschickt. Die Reise
war schließlich über den Videotext aus dem Fernsehen - man ist
ja schließlich der modernen Kommunikation aufgeschlossen.
Der Haken an der Reise war der Abflugsort: Hahn! Der Mensch
am Telefon, der für mich die Reise buchte erklärte mir natürlich
VORHER, dass der Abreiseflughafen Hahn sei, ich dachte aber nun an unser
nahegelegenes Haan, welches ca. 30 Minuten von Düsseldorf entfernt
liegt. Kein Problem, man ist ja flexibel. Nun mußten wir nach Hahn,
das im Hunsrück liegt.
Aber was man nicht alles tut - wir sind dort drei Stunden
lang hingefahren und erhielten auch prompt Nichtraucherplätze (wir
als starke Raucher und mit mittelmäßiger Flugangst). Dafür
war der Flug weniger entspannend, auch der Pilot konnte uns nicht aufmuntern,
der sich kurzfristig über Lautsprecher bei den Fluggästen erkundigte,
wie man eigentlich nach Mallorca kommt (HAHA, wir haben alle so gelacht...,
Scherzbold)
Wir sind sogar heil auf Mallorca um 23.00 Uhr nachts angekommen,
wovon ich nicht ausging bei diesem alten Flugzeug. Dann wurden die müden
Reisenden in Busse verfrachtet und wir nahmen freudig zur Kenntnis, dass
wir einen besonders kurzen Transfer zum Hotel hatten. Das Hotel lag DIREKT
am Flughafen. Wir kamen dort so gegen 1.00 Uhr nachts im Hotel an. Im Dunkeln
sah es eher nichtssagend aus. Ich schätze, es waren ca. 10 Etagen
- Bettenburg eben. Geistig fand ich mich damit ab, dass der größte
Teil der Gäste wohl Engländer waren. Als wir in die Empfangshalle
drängten, konnte man einige wenige Hotelgäste im halbdunkeln
wahrnehmen. Sie saßen auf verschlissenen grünen Sesseln - in
der Hand einen oder zwei Pappbecher - und starrten ausdruckslos vor sich
hin. Sie beachteten uns gar nicht, uns, die wir neu angekommen waren.
Es waren mehrere Gäste, die für diesen spottbilligen
Preis All-Inclusive-Urlaub machen wollten und die in diesem Hotel landeten.
Nachdem sich der Pulk von angereisten Gästen im Vorraum versammelte,
erschien der Concierge und brüllte einige spanische Worte in die Menge,
die sich daraufhin wie verschreckte Kälber zusammentrieben. Es begann
die Zimmerverteilung und alle waren aufgeregt und hektisch.
Ich warf meine Taschen, Foto- und Videoausrüstung
und Beautycase meinem Ehegatten zu Füßen und ermahnte ihn, sich
nicht von der Stelle zu rühren, ich mache das schon. Und entnervt
wie ich war, stand ich wenig später unter Benutzung beider Ellenbogen
und Knie vor dem Antlitz des noch mehr genervten Concierge, der mich unfreundlich
zur Kenntnis nahm. Ob wohl noch ein Zimmer mit Meerblick frei wäre,
fragte ich in gutem Deutsch. Er starrte mich nur missmutig und stumm an,
murmelte einige Worte auf spanisch und blätterte einige Minuten unlustig
in seinem Buch, um meinen Namen zu finden. Hinter mir wurden schon einige
Gäste laut - ich hörte nur etwas von "Vordrängeln" und "jetzt
geh Du doch auch mal" - was mich aber nicht störte.
Der Concierge war mir hold und kramte aus einer Schublade
ein Plastikarmband an, welches er mir feierlich am Handgelenk festnietete.
Nun hatte ich das "All-inclusive-Armband", womit ich jeglichen Service
im Hotel in Anspruch nehmen durfte. Es zeichnete mich als besonderen Gast
aus mit besonderem Service. Ich entsann mich meines Ehegatten, der auch
solch ein Armband tragen sollte. Er schaffte es auch, sich durch den Pulk
von Wartenden zu drängeln und auch ihm wurde das Band des All-inclusive-Service
verabreicht. Ich konnte aus den Augenwinkeln seine sich verengenden Pupillen
sehen. Schnell nahm ich das leichte Gepäck, während mein Ehegatte
das schwere Gepäck schulterte und wir entfleuchten, um unser Zimmer
zu suchen.
Wir fanden es auch wenig später, nachdem wir durch
lange dunkle Korridore irrten und konnten uns dennoch nicht richtig freuen.
Das Licht im Zimmer ging nicht an. Mein Gatte starrte mich voller Hass
an und begann damit, mir vorzuhalten, dass bei 600 DM all-inklusive ja
nicht viel drin sei. Wozu auch Licht, tagsüber scheint wohl die Sonne
ins Zimmer.
Ich hatte während dieser Anschuldigung beschämt
unseren Zimmerschlüssel betrachtet, den ich in den Händen hielt
und mir fiel auf, dass an ihm eine große Plastikkarte hing. Und nachdem
ich im dunkeln an dem Lichtschalter fummelte, fiel mir auf, dass dieser
einen Schlitz hatte. Mit dem Rest meiner Intelligenz steckte ich die Plastikkarte
in den Schlitz und es wurde Licht.
Das ganze Pracht des Hotelzimmers lag vor uns. Betten,
ein Schrank, ein kleiner Schrank - fertig. Kein Fernsehen, kein Kühlschrank.
Mein Gatte riss sich spontan das All-inclusive-Plastikband vom Handgelenk
und war ganz außer sich. Nein, er wolle das Band nicht tragen, lieber
wolle er alle Getränke und das Essen zahlen. Und überhaupt, er
wolle gar nicht erst hier bleiben. Gleich morgen wird er den zuständigen
Reiseleiter ansprechen, wir wollen hier nicht bleiben. Nach dieser Feststellung
schmissen wir unsere Utensilien hin und wollten uns erst einmal die anderen
Räume des Hotels ansehen.
Mittlerweile waren auch die anderen Gäste mit Zimmern
versorgt, so dass kein Mensch mehr in der Eingangshalle war. Durch eine
abgeschlossene Glastüre konnten wir einen großen Saal erkennen,
anscheinend wurde dort das Essen eingenommen. Im Hintergrund war eine große
Bar erkennbar. Jedoch lag alles im dunkeln und alles war verschlossen.
Zum Schlafen war uns noch nicht zumute, also verließen
wir das Hotel um uns die nähere Umgebung anzusehen. Wir liefen durch
einige schmutzige Straßen und Gassen und standen dann am Meer. Von
irgendwoher kam Gegröle und Musik und wir gingen weiter, bis wir dann
eine Bar fanden, in der wir dann etwas zu uns nahmen. Schließlich
hatten wir auch Hunger und Durst. Um 4 Uhr morgens waren wir müde
und gingen zurück zum Hotel und legten uns in unsere Betten. Um 6
Uhr war die Nacht vorbei.
Alle 5 Minuten brauste direkt über dem Hotel ein
Flieger, so dass an Schlaf kein Denken war. Man konnte sein eigenes Wort
nicht verstehen. Wir hatten dann unter der Einflugschneise ein Zimmer mit
Blick auf ein riesengroßes Hundeklo. Und Meerblick. Unter unserem
Balkon war direkt die Küche und diese wurde gegen 6.30 Uhr morgens
mit einer Höllenmaschine beliefert. Wahrscheinlich rollten sie die
steinharten Brötchen für das Frühstück an.
Wir nahmen dort unser Frühstück ein, welches
nicht sehr gut war - es waren wirklich die harten Brötchen, die morgens
um halb 7 in die Küche gerollt wurden. Aber nach einer näheren
Betrachtung war das Hotel an sich und das Zimmer sehr sauber.
Nach der Beschwerde beim Reiseleiter war uns dann leichter
ums Herz. Es war sonst kein anderes Hotel mehr frei. Wir beschlossen also,
alles mit Gelassenheit zu nehmen. Schließlich hatten wir Urlaub.
Dass mein Mann gar kein "All-inklusive-Bändchen" trug, fiel gar nicht
auf. Es gab nämlich gar keine anderen Gäste, die jetzt z.B. nur
Frühstück gebucht hatten.
Es gab also Frühstück, Snacks, Mittagessen,
Nachmittagstee mit Kuchen und Abendessen. Und es waren alle Getränke
von A - Z frei, was sich der Mob von Gästen auch wirklich zu Herzen
nahm. Bis zur bitteren Neige wurde dort gegessen und getrunken.
Ich als Langschläfer versuchte jeden Morgen mit aller
Gewalt lange zu schlafen, was natürlich wegen unserer Einflugschneise
kaum möglich war. Mein Gatte dagegen als Frühaufsteher stand
eines Morgens um 8.00 Uhr vor mir und gab mir zur Kenntnis, dass er nun
im hoteleigenen Schwimmbad schwimmen gehe. Ich wunderte mich nur, dass
man "mitten in der Nacht" schwimmen wolle, ließ ihn aber mit seinem
geschulterten Handtuch ziehen.
Fünf Minuten später rüttelte er mich wieder
aus meiner Konzentration wach und teilte mir mit, dass man ihn verscheucht
habe. War nichts mit schwimmen. Na, dachte ich schläfrig, muß
wohl am fehlenden "All-inklusive-Band" liegen. Nein, weit gefehlt: Morgens
wurde die Terrasse und das umliegende Gelände - dazu gehörte
auch das Schwimmbad - mit einem Kärcher gesäubert, um die Spuren
der vorabendlichen Animation zu entfernen. Und erst nach Abschluss der
durchgeführten Säuberung und Desinfektion durfte man wohl in
das Schwimmbad. Dies hatte er von einem Angestellten des Hotels, im folgenden
Kalfakter genannt, erfahren. Nicht, dass er es ihm direkt gesagt hätte,
mein Gatte versteht ja auch gar kein spanisch, aber der Kalfakter schmetterte
meinem Gatten bei dem Versuch, in das Schwimmbecken zu gleiten, nur ein
donnerndes "NO" zu. Sonst nichts. Da kann sich nur schnell zurückziehen.
Später lasen wir auf einem Schild, welches im Speisesaal
angebracht war, dass die Benutzung des Schwimmbeckens erst ab 8.30 Uhr
gestattet sei. Anderen Morgens um Punkt 8.30 Uhr beschulterte sich mein
Gatte erneut mit seinem Handtuch und wagte einen wiederholten Versuch,
vor dem Frühstück eine Runde zu schwimmen. Ich drehte mich dann
noch auf die andere Seite und wartete ca. 5 Minuten. Dann stand mein Gatte
wieder vor mir und berichtete mir, dass Kalfakter sich erneut vor ihm aufbaute
und ihm wieder mit seinem "NO" bedachte.
Verständnislosigkeit lag in seinen Augen und in meinen
ein Fragezeichen. In den südlichen Ländern ist das eben anders,
versuchte ich zu erklären. Doch später fanden wir ein anderes
Schild, welches am Schwimmbecken montiert war, auf dem dann stand: Die
Benutzung des Schwimmbeckens ist erst ab 9.00 Uhr erlaubt. Nun waren wir
unterrichtet. Allerdings wollte dann mein Gatte dort nicht mehr schwimmen
gehen - da ist er eigen. Ich bin dort auch nicht schwimmen gewesen, denn
ich mag es nicht, wenn schon am Vorabend die Liegestühle mit Handtüchern
für den nächsten Tag reserviert werden. Ich habe mich schon bei
dem Gedanken ertappt, DOCH einmal ganz früh aufzustehen, noch bevor
die Brötchen in die Küche rollen und zu den Handtüchern
zu schleichen und sie alle in das Schwimmbecken zu werfen. Das wäre
doch mal nett. Aber ich konnte es nicht über´s Herz bringen,
noch vor dem Brötchenrollen aufzustehen.

©www.ballermann.de
Bei der täglichen abendlichen Animation (ich hasse
so etwas von Herzen) konnten wir Studien betreiben. Wir setzten uns immer
in das am entferntesten gelegene Eckchen und betrachteten uns die Animation.
Es versammelten sich pünktlich die Gäste mit ihren Longdrinks,
die es allerdings alle nur im Pappbecher gab. Nun traten Flamenco-Tänzer
auf. Der betrunkene Pulk schrie auf die Flamenco-Tänzer ein mit "Hossa-Hossa"
und sie tanzten Sirtaki dazu. Die armen Flamenco-Tänzer kamen natürlich
total durcheinander. Es war ein echtes Erlebnis und wir haben Tränen
gelacht.
Dann fielen alle Hemmungen bei der nächsten Animation.
Diverse Damen sollten sich Herren aussuchen, diese werden
dann für den tollsten Zungenkuss prämiert. Wildfremde Menschen
steckten sich also gegenseitig die Zunge in den Hals und fanden es sehr
toll. Wir haben erneut Tränen gelacht in unserer kleinen abseits gelegenen
"Hetzer-Ecke".
Diese Animationen oder so ähnlich fanden dann jeden
Abend statt. Und da wir leider nicht allzu viel Geld hatten, hatten wir
dort auch immer beigewohnt. Denn es gab ja schließlich die Getränke
umsonst und was zu lachen. Um Punkt 23 Uhr machte die Hotelbar zu. Schließlich
hatte dort jeder genügend Zeit gehabt, sich ab 10 Uhr morgens die
"Kante" zu geben. Da sollte doch jedem noch so hartgesottenen Alkoholiker
die Gelegenheit gegeben sein, sich bis 23.00 Uhr ins Koma zu saufen. Es
hing an der Bar ein großes Schild: "Ab 22.30 Uhr bitte jeder Gast
nur EIN Getränk". Auf unser Nachfragen erklärte man uns, dass
es kluge Spezialisten gab, die dann im Hinblick darauf, dass bald die Bar
zugemacht wurde, sich 20 Getränke horteten und dann bis um 3 Uhr morgens
nicht mehr von der Terrasse zu kehren waren.
Ich für meinen Teil habe mich eines Abends von den
Trinkgewohnheiten der anderen Gäste inspirieren lassen und habe dann
das spanische Bier probiert. Nachdem ich mir dann später im Zimmer
die Sache "noch einmal durch den Kopf gehen ließ", war mir anderen
Tags nicht sehr wohl und mir wurde schlecht bei dem bloßen Anblick
der Pappbecher. Überhaupt: diese Pappbecher waren widerlich. Alles
tranken die Leute aus diesen 0,5 l-Pappbechern: Cola, Limo, Kaffee, Cognac,
Bier, Whiskey, Wein, Sekt. Wenn wir uns auch einmal den Luxus von Gläsern
(aus richtigem Glas) gönnen wollten, so mußten wir halt woanders
etwas trinken.
Was auch interessant zu beobachten war, waren die Wanderungen
der anderen Gäste zwischen Strand und Hotel. Der Strand (Bucht) lag
ca. 5 Gehminuten durch die sengende Hitze entfernt. Auf dem Weg dorthin
traf man dann immer wieder auf Leute aus dem Hotel, die sich ihre Plastikbecher
mit Getränken vom Hotel holten, damit sie ja keine Pesete mehr am
Strand ausgaben. Dass die Getränke auf dem Gehweg auf 40 Grad erwärmten,
war ja egal. Das Motto wart: Saufen bis zum Umfallen und sparen dabei.
Interessant zu beobachten war auch ein Vorfall im Hotel.
Ein neuer Gast war eingetroffen. Gleich nach den ersten
Stunden seiner Ankunft konnte man ihn beobachten, wie er stupide und starr
auf den Bartresen starrte und aus dem schiefen Mund doch ein Rinnsal Magensaft
lief.... wir konnten fast nicht mehr an uns halten!!! Angeekelt verschwanden
die anderen Gäste aus seiner Nähe, bis es dann geschah; die Putzfrauen
taten mir sehr leid in dem Hotel.
Selbst die angestellten Kellner dort waren entnervt von
dem Volk und hatten uns sehr lieb, weil wir Bitte und Danke sagen konnten
und auch unser Bier mal versuchten auf spanisch zu bestellen. Ab und zu
ließen wir ein paar Peseten auf der Bar liegen, denn bei dem Publikum
taten uns die Kellner leid. Nun hatten wir uns vollends mit unserer Situation
abgegeben.
Wir leisteten uns dann den Luxus, eine Luftmatratze zu
erwerben und damit zogen wir dann immer los aufs Meer. Es war sonst nicht
auszuhalten vor Hitze. Das Volk vom Hotel guckte schon immer, denn nun
galten wir als "die Snobs" - pah, die kaufen sich eine Luftmatratze - und
man fragte uns schon, wie wir uns so "im Weißen Haus" fühlen
würden. Verständnislos verzogen wir unsere Gesichter und verschwanden
daraufhin wieder in unsere Hetzer-Ecke.
DAS muß man sich mal vorstellen, WIR SNOBS
haben eine Luftmatratze gekauft und kaufen uns sogar kaltes Wasser am Strand....
Und an einem Tag haben wir uns sogar eine Liege mit Sonnenschirm
gegönnt.
Ja, aber da kam dann Hass und Neid der anderen Gäste
auf. Wir haben uns totgelacht und überlegt, ob wir nicht vielleicht
ein Gerücht in die Welt setzen sollten.
Wenn z.B. beim Frühstück andere Gäste in
der Nähe sitzen, einfach mal über die Freikarten sprechen, die
es ja für alle Gäste an der Rezeption gäbe, damit man auch
gratis die Liegen am Strand benutzen kann. Schließlich haben ja alle
all-inclusive gebucht. Und jeden Tag gäbe es einen Kaffee gratis bei
"Moni und Manfred".... ich habe einen Lachflash wie selten bekommen dort.
Monis und Manfreds gab es dort eigentlich nur, die spanischen
Restaurant mußte man eher suchen. Wir gönnten uns dann aber
unsere Gambas in einer spanischen Taverne, wo man uns aber gnadenlos abzockte.
Das stellten wir aber erst später fest. Zweimal Gambas und zwei Biere
macht genau 70,- DM!?! Naja. Wenn das einer vom Hotel wüsste...
Wir kam auf die Idee, nach einem Motorboot zu fragen.
So fragten wir den guten Concierge an der Rezeption, was es denn vielleicht
kosten würde, sich ein Boot zu leihen. Da brüllte der Mensch
von Concierge durch den ganzen Saal, ob wir denn Kapitalisten seien oder
was... Peinlich berührt haben wir dann eine 3-Stunden-Bootsfahrt für
Pauschaltouristen gebucht. Das war wirklich sehr nett.
An einem Tag trafen wir uns mit unseren Freunden, die
auch zu dieser Zeit auf Mallorca weilten - allerdings ein einem schöneren
Hotel, an einer schöneren Ecke und überhaupt. Wir trafen uns
dann am sagenumworbenen Ballermann 6. Wir stellten fest, dass am Ballermann
ein höheres Niveau herrschte als bei uns im Hotel. Und das soll was
heißen.
Eines anderen Tages haben wir uns dann im Morgengrauen
- unbeobachtet vom Mob - noch schnell für einen Tag einen Mietwagen
geleistet und sind dann durch die Gluthitze gefahren. Wohin weiß
ich nicht mehr, schön war es auch nicht.
Da wir ja immer gehört und im Fernsehen mitbekommen
haben, dass auch Mallorca seine schönen Ecken hat, haben wir uns noch
einmal für einen Tag ein Auto gemietet. Ein Tag, bevor wir abreisten.
Denn schließlich will man ja auch mal was schönes sehen. Wahrhaftig
haben wir dann auch nette Ecken gesehen - aber es war wieder so heiß,
dass wir keine Lust mehr hatten, herumzufahren. Außerdem tut das
dann noch mehr weh, wenn man dann wieder nach den schönen Sachen unser
Hotel sieht...
Endlich kam der Tag der Abreise. Schnell verschenkten
wir noch unsere snobistische Luftmatratze an zwei alternde Freundinnen,
die wir dort kennen gelernt haben. Die Damen reisten gemeinsam und stellten
nach drei Tagen fest, dass sie kein Geld mehr hatten und die EC-Karten
eingezogen wurden. Deshalb hatten sie sich auch sehr über die Luftmatratze
gefreut.
Wir flogen erst abends um 18.00 Uhr ab und erhielten dann
ziemlich spät unsere Koffer. Wir standen da ja in kurzen Hosen und
es war kalt und regnete. Die Rückfahrt von Hahn nach Düsseldorf
war besonders anstrengend, weil wir nur nach Hause wollten.
Abschließend ist festzuhalten, dass es alles in
allem doch grenzwertig auszuhalten war.
Jedoch leider nicht erholsam, wie es sich für einen
richtigen Urlaub gehört. Angefangen von der Einflugschneise, über
den Krach in der unter uns liegenden Küche und auch das Pärchen
im Nebenzimmer, das jede Nacht um fast Punkt 3 Uhr schrie, wie am Spieß
- im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber wir durften uns einmal als die "Snobs" fühlen
- wo können WIR das schon?!
Nach Mallorca zieht mich die nächsten 100 Jahre nichts
- schade eigentlich, aber manchmal ist der erste Eindruck doch ausschlaggebend.
Das Hotel ist sehr empfehlenswert für Fußballclubs
oder Kegelclubs, oder eben für Leute, die gerne 24 Stunden lang saufen
für "lau" wollen und das ohne Niveau.
©Birgit Heydn [www.fledder.purespace.de]
Diese Geschichte ist in dem Buch
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