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Mallorca, Lieblingsinsel der Deutschen

© Birgit Heydn
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    Da wir    ja kein Geld haben, aber trotzdem in Urlaub fahren wollten, wählten wir uns also als Reiseziel MALLORCA - die Lieblingsinsel der Deutschen - aus. Also ging es los zur Hauptreisezeit, wenn Hinz und Kunz wegfahren, nach Mallorca. Dort bin ich persönlich noch nie gewesen. Es zog mich auch nicht viel dahin. Denn ich hatte genügend über Mallorca und die dort einkehrenden Menschen gehört und gesehen, aber man muß natürlich immer selbst dort gewesen sein, um sich ein Urteil bilden zu können.

       Also buchten wir Lastminute zum Pauschalpreis: 1 Woche ALL INCLUSIVE für sage und schreibe 600,- DM. Natürlich wussten wir, dass man dort keine großen Erwartungen stellen konnten, jedoch was wir dort erlebt haben, ist es wert, veröffentlicht zu werden.

       Wir bekamen unsere Tickets - und gleich noch vier andere Tickets von wildfremden Menschen dabei - per Post geschickt. Die Reise war schließlich über den Videotext aus dem Fernsehen - man ist ja schließlich der modernen Kommunikation aufgeschlossen.

       Der Haken an der Reise war der Abflugsort: Hahn! Der Mensch am Telefon, der für mich die Reise buchte erklärte mir natürlich VORHER, dass der Abreiseflughafen Hahn sei, ich dachte aber nun an unser nahegelegenes Haan, welches ca. 30 Minuten von Düsseldorf entfernt liegt. Kein Problem, man ist ja flexibel. Nun mußten wir nach Hahn, das im Hunsrück liegt.

       Aber was man nicht alles tut - wir sind dort drei Stunden lang hingefahren und erhielten auch prompt Nichtraucherplätze (wir als starke Raucher und mit mittelmäßiger Flugangst). Dafür war der Flug weniger entspannend, auch der Pilot konnte uns nicht aufmuntern, der sich kurzfristig über Lautsprecher bei den Fluggästen erkundigte, wie man eigentlich nach Mallorca kommt (HAHA, wir haben alle so gelacht..., Scherzbold)

       Wir sind sogar heil auf Mallorca um 23.00 Uhr nachts angekommen, wovon ich nicht ausging bei diesem alten Flugzeug. Dann wurden die müden Reisenden in Busse verfrachtet und wir nahmen freudig zur Kenntnis, dass wir einen besonders kurzen Transfer zum Hotel hatten. Das Hotel lag DIREKT am Flughafen. Wir kamen dort so gegen 1.00 Uhr nachts im Hotel an. Im Dunkeln sah es eher nichtssagend aus. Ich schätze, es waren ca. 10 Etagen - Bettenburg eben. Geistig fand ich mich damit ab, dass der größte Teil der Gäste wohl Engländer waren. Als wir in die Empfangshalle drängten, konnte man einige wenige Hotelgäste im halbdunkeln wahrnehmen. Sie saßen auf verschlissenen grünen Sesseln - in der Hand einen oder zwei Pappbecher - und starrten ausdruckslos vor sich hin. Sie beachteten uns gar nicht, uns, die wir neu angekommen waren.

       Es waren mehrere Gäste, die für diesen spottbilligen Preis All-Inclusive-Urlaub machen wollten und die in diesem Hotel landeten. Nachdem sich der Pulk von angereisten Gästen im Vorraum versammelte, erschien der Concierge und brüllte einige spanische Worte in die Menge, die sich daraufhin wie verschreckte Kälber zusammentrieben. Es begann die Zimmerverteilung und alle waren aufgeregt und hektisch.

       Ich warf meine Taschen, Foto- und Videoausrüstung und Beautycase meinem Ehegatten zu Füßen und ermahnte ihn, sich nicht von der Stelle zu rühren, ich mache das schon. Und entnervt wie ich war, stand ich wenig später unter Benutzung beider Ellenbogen und Knie vor dem Antlitz des noch mehr genervten Concierge, der mich unfreundlich zur Kenntnis nahm. Ob wohl noch ein Zimmer mit Meerblick frei wäre, fragte ich in gutem Deutsch. Er starrte mich nur missmutig und stumm an, murmelte einige Worte auf spanisch und blätterte einige Minuten unlustig in seinem Buch, um meinen Namen zu finden. Hinter mir wurden schon einige Gäste laut - ich hörte nur etwas von "Vordrängeln" und "jetzt geh Du doch auch mal" - was mich aber nicht störte.    

    Der Concierge war mir hold und kramte aus einer Schublade ein Plastikarmband an, welches er mir feierlich am Handgelenk festnietete. Nun hatte ich das "All-inclusive-Armband", womit ich jeglichen Service im Hotel in Anspruch nehmen durfte. Es zeichnete mich als besonderen Gast aus mit besonderem Service. Ich entsann mich meines Ehegatten, der auch solch ein Armband tragen sollte. Er schaffte es auch, sich durch den Pulk von Wartenden zu drängeln und auch ihm wurde das Band des All-inclusive-Service verabreicht. Ich konnte aus den Augenwinkeln seine sich verengenden Pupillen sehen. Schnell nahm ich das leichte Gepäck, während mein Ehegatte das schwere Gepäck schulterte und wir entfleuchten, um unser Zimmer zu suchen.

       Wir fanden es auch wenig später, nachdem wir durch lange dunkle Korridore irrten und konnten uns dennoch nicht richtig freuen. Das Licht im Zimmer ging nicht an. Mein Gatte starrte mich voller Hass an und begann damit, mir vorzuhalten, dass bei 600 DM all-inklusive ja nicht viel drin sei. Wozu auch Licht, tagsüber scheint wohl die Sonne ins Zimmer.

       Ich hatte während dieser Anschuldigung beschämt unseren Zimmerschlüssel betrachtet, den ich in den Händen hielt und mir fiel auf, dass an ihm eine große Plastikkarte hing. Und nachdem ich im dunkeln an dem Lichtschalter fummelte, fiel mir auf, dass dieser einen Schlitz hatte. Mit dem Rest meiner Intelligenz steckte ich die Plastikkarte in den Schlitz und es wurde Licht.    

    Das ganze Pracht des Hotelzimmers lag vor uns. Betten, ein Schrank, ein kleiner Schrank - fertig. Kein Fernsehen, kein Kühlschrank. Mein Gatte riss sich spontan das All-inclusive-Plastikband vom Handgelenk und war ganz außer sich. Nein, er wolle das Band nicht tragen, lieber wolle er alle Getränke und das Essen zahlen. Und überhaupt, er wolle gar nicht erst hier bleiben. Gleich morgen wird er den zuständigen Reiseleiter ansprechen, wir wollen hier nicht bleiben. Nach dieser Feststellung schmissen wir unsere Utensilien hin und wollten uns erst einmal die anderen Räume des Hotels ansehen.

    Mittlerweile waren auch die anderen Gäste mit Zimmern versorgt, so dass kein Mensch mehr in der Eingangshalle war. Durch eine abgeschlossene Glastüre konnten wir einen großen Saal erkennen, anscheinend wurde dort das Essen eingenommen. Im Hintergrund war eine große Bar erkennbar. Jedoch lag alles im dunkeln und alles war verschlossen.

       Zum Schlafen war uns noch nicht zumute, also verließen wir das Hotel um uns die nähere Umgebung anzusehen. Wir liefen durch einige schmutzige Straßen und Gassen und standen dann am Meer. Von irgendwoher kam Gegröle und Musik und wir gingen weiter, bis wir dann eine Bar fanden, in der wir dann etwas zu uns nahmen. Schließlich hatten wir auch Hunger und Durst. Um 4 Uhr morgens waren wir müde und gingen zurück zum Hotel und legten uns in unsere Betten. Um 6 Uhr war die Nacht vorbei.

       Alle 5 Minuten brauste direkt über dem Hotel ein Flieger, so dass an Schlaf kein Denken war. Man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen. Wir hatten dann unter der Einflugschneise ein Zimmer mit Blick auf ein riesengroßes Hundeklo. Und Meerblick. Unter unserem Balkon war direkt die Küche und diese wurde gegen 6.30 Uhr morgens mit einer Höllenmaschine beliefert. Wahrscheinlich rollten sie die steinharten Brötchen für das Frühstück an.

       Wir nahmen dort unser Frühstück ein, welches nicht sehr gut war - es waren wirklich die harten Brötchen, die morgens um halb 7 in die Küche gerollt wurden. Aber nach einer näheren Betrachtung war das Hotel an sich und das Zimmer sehr sauber.

       Nach der Beschwerde beim Reiseleiter war uns dann leichter ums Herz. Es war sonst kein anderes Hotel mehr frei. Wir beschlossen also, alles mit Gelassenheit zu nehmen. Schließlich hatten wir Urlaub. Dass mein Mann gar kein "All-inklusive-Bändchen" trug, fiel gar nicht auf. Es gab nämlich gar keine anderen Gäste, die jetzt z.B. nur Frühstück gebucht hatten.

       Es gab also Frühstück, Snacks, Mittagessen, Nachmittagstee mit Kuchen und Abendessen. Und es waren alle Getränke von A - Z frei, was sich der Mob von Gästen auch wirklich zu Herzen nahm. Bis zur bitteren Neige wurde dort gegessen und getrunken.

       Ich als Langschläfer versuchte jeden Morgen mit aller Gewalt lange zu schlafen, was natürlich wegen unserer Einflugschneise kaum möglich war. Mein Gatte dagegen als Frühaufsteher stand eines Morgens um 8.00 Uhr vor mir und gab mir zur Kenntnis, dass er nun im hoteleigenen Schwimmbad schwimmen gehe. Ich wunderte mich nur, dass man "mitten in der Nacht" schwimmen wolle, ließ ihn aber mit seinem geschulterten Handtuch ziehen.

       Fünf Minuten später rüttelte er mich wieder aus meiner Konzentration wach und teilte mir mit, dass man ihn verscheucht habe. War nichts mit schwimmen. Na, dachte ich schläfrig, muß wohl am fehlenden "All-inklusive-Band" liegen. Nein, weit gefehlt: Morgens wurde die Terrasse und das umliegende Gelände - dazu gehörte auch das Schwimmbad - mit einem Kärcher gesäubert, um die Spuren der vorabendlichen Animation zu entfernen. Und erst nach Abschluss der durchgeführten Säuberung und Desinfektion durfte man wohl in das Schwimmbad. Dies hatte er von einem Angestellten des Hotels, im folgenden Kalfakter genannt, erfahren. Nicht, dass er es ihm direkt gesagt hätte, mein Gatte versteht ja auch gar kein spanisch, aber der Kalfakter schmetterte meinem Gatten bei dem Versuch, in das Schwimmbecken zu gleiten, nur ein donnerndes "NO" zu. Sonst nichts. Da kann sich nur schnell zurückziehen.

       Später lasen wir auf einem Schild, welches im Speisesaal angebracht war, dass die Benutzung des Schwimmbeckens erst ab 8.30 Uhr gestattet sei. Anderen Morgens um Punkt 8.30 Uhr beschulterte sich mein Gatte erneut mit seinem Handtuch und wagte einen wiederholten Versuch, vor dem Frühstück eine Runde zu schwimmen. Ich drehte mich dann noch auf die andere Seite und wartete ca. 5 Minuten. Dann stand mein Gatte wieder vor mir und berichtete mir, dass Kalfakter sich erneut vor ihm aufbaute und ihm wieder mit seinem "NO" bedachte.

       Verständnislosigkeit lag in seinen Augen und in meinen ein Fragezeichen. In den südlichen Ländern ist das eben anders, versuchte ich zu erklären. Doch später fanden wir ein anderes Schild, welches am Schwimmbecken montiert war, auf dem dann stand: Die Benutzung des Schwimmbeckens ist erst ab 9.00 Uhr erlaubt. Nun waren wir unterrichtet. Allerdings wollte dann mein Gatte dort nicht mehr schwimmen gehen - da ist er eigen. Ich bin dort auch nicht schwimmen gewesen, denn ich mag es nicht, wenn schon am Vorabend die Liegestühle mit Handtüchern für den nächsten Tag reserviert werden. Ich habe mich schon bei dem Gedanken ertappt, DOCH einmal ganz früh aufzustehen, noch bevor die Brötchen in die Küche rollen und zu den Handtüchern zu schleichen und sie alle in das Schwimmbecken zu werfen. Das wäre doch mal nett. Aber ich konnte es nicht über´s Herz bringen, noch vor dem Brötchenrollen aufzustehen.

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       Bei der täglichen abendlichen Animation (ich hasse so etwas von Herzen) konnten wir Studien betreiben. Wir setzten uns immer in das am entferntesten gelegene Eckchen und betrachteten uns die Animation. Es versammelten sich pünktlich die Gäste mit ihren Longdrinks, die es allerdings alle nur im Pappbecher gab. Nun traten Flamenco-Tänzer auf. Der betrunkene Pulk schrie auf die Flamenco-Tänzer ein mit "Hossa-Hossa" und sie tanzten Sirtaki dazu. Die armen Flamenco-Tänzer kamen natürlich total durcheinander. Es war ein echtes Erlebnis und wir haben Tränen gelacht.

       Dann fielen alle Hemmungen bei der nächsten Animation.

    Diverse Damen sollten sich Herren aussuchen, diese werden dann für den tollsten Zungenkuss prämiert. Wildfremde Menschen steckten sich also gegenseitig die Zunge in den Hals und fanden es sehr toll. Wir haben erneut Tränen gelacht in unserer kleinen abseits gelegenen "Hetzer-Ecke".

       Diese Animationen oder so ähnlich fanden dann jeden Abend statt. Und da wir leider nicht allzu viel Geld hatten, hatten wir dort auch immer beigewohnt. Denn es gab ja schließlich die Getränke umsonst und was zu lachen. Um Punkt 23 Uhr machte die Hotelbar zu. Schließlich hatte dort jeder genügend Zeit gehabt, sich ab 10 Uhr morgens die "Kante" zu geben. Da sollte doch jedem noch so hartgesottenen Alkoholiker die Gelegenheit gegeben sein, sich bis 23.00 Uhr ins Koma zu saufen. Es hing an der Bar ein großes Schild: "Ab 22.30 Uhr bitte jeder Gast nur EIN Getränk". Auf unser Nachfragen erklärte man uns, dass es kluge Spezialisten gab, die dann im Hinblick darauf, dass bald die Bar zugemacht wurde, sich 20 Getränke horteten und dann bis um 3 Uhr morgens nicht mehr von der Terrasse zu kehren waren.

       Ich für meinen Teil habe mich eines Abends von den Trinkgewohnheiten der anderen Gäste inspirieren lassen und habe dann das spanische Bier probiert. Nachdem ich mir dann später im Zimmer die Sache "noch einmal durch den Kopf gehen ließ", war mir anderen Tags nicht sehr wohl und mir wurde schlecht bei dem bloßen Anblick der Pappbecher. Überhaupt: diese Pappbecher waren widerlich. Alles tranken die Leute aus diesen 0,5 l-Pappbechern: Cola, Limo, Kaffee, Cognac, Bier, Whiskey, Wein, Sekt. Wenn wir uns auch einmal den Luxus von Gläsern (aus richtigem Glas) gönnen wollten, so mußten wir halt woanders etwas trinken.

       Was auch interessant zu beobachten war, waren die Wanderungen der anderen Gäste zwischen Strand und Hotel. Der Strand (Bucht) lag ca. 5 Gehminuten durch die sengende Hitze entfernt. Auf dem Weg dorthin traf man dann immer wieder auf Leute aus dem Hotel, die sich ihre Plastikbecher mit Getränken vom Hotel holten, damit sie ja keine Pesete mehr am Strand ausgaben. Dass die Getränke auf dem Gehweg auf 40 Grad erwärmten, war ja egal. Das Motto wart: Saufen bis zum Umfallen und sparen dabei.

       Interessant zu beobachten war auch ein Vorfall im Hotel.

    Ein neuer Gast war eingetroffen. Gleich nach den ersten Stunden seiner Ankunft konnte man ihn beobachten, wie er stupide und starr auf den Bartresen starrte und aus dem schiefen Mund doch ein Rinnsal Magensaft lief.... wir konnten fast nicht mehr an uns halten!!! Angeekelt verschwanden die anderen Gäste aus seiner Nähe, bis es dann geschah; die Putzfrauen taten mir sehr leid in dem Hotel.

       Selbst die angestellten Kellner dort waren entnervt von dem Volk und hatten uns sehr lieb, weil wir Bitte und Danke sagen konnten und auch unser Bier mal versuchten auf spanisch zu bestellen. Ab und zu ließen wir ein paar Peseten auf der Bar liegen, denn bei dem Publikum taten uns die Kellner leid. Nun hatten wir uns vollends mit unserer Situation abgegeben.

       Wir leisteten uns dann den Luxus, eine Luftmatratze zu erwerben und damit zogen wir dann immer los aufs Meer. Es war sonst nicht auszuhalten vor Hitze. Das Volk vom Hotel guckte schon immer, denn nun galten wir als "die Snobs" - pah, die kaufen sich eine Luftmatratze - und man fragte uns schon, wie wir uns so "im Weißen Haus" fühlen würden. Verständnislos verzogen wir unsere Gesichter und verschwanden daraufhin wieder in unsere Hetzer-Ecke.

       DAS muß man sich mal vorstellen, WIR SNOBS haben eine Luftmatratze gekauft und kaufen uns sogar kaltes Wasser am Strand....

       Und an einem Tag haben wir uns sogar eine Liege mit Sonnenschirm gegönnt.

       Ja, aber da kam dann Hass und Neid der anderen Gäste auf. Wir haben uns totgelacht und überlegt, ob wir nicht vielleicht ein Gerücht in die Welt setzen sollten.

       Wenn z.B. beim Frühstück andere Gäste in der Nähe sitzen, einfach mal über die Freikarten sprechen, die es ja für alle Gäste an der Rezeption gäbe, damit man auch gratis die Liegen am Strand benutzen kann. Schließlich haben ja alle all-inclusive gebucht. Und jeden Tag gäbe es einen Kaffee gratis bei "Moni und Manfred".... ich habe einen Lachflash wie selten bekommen dort.

       Monis und Manfreds gab es dort eigentlich nur, die spanischen Restaurant mußte man eher suchen. Wir gönnten uns dann aber unsere Gambas in einer spanischen Taverne, wo man uns aber gnadenlos abzockte. Das stellten wir aber erst später fest. Zweimal Gambas und zwei Biere macht genau 70,- DM!?! Naja. Wenn das einer vom Hotel wüsste...

       Wir kam auf die Idee, nach einem Motorboot zu fragen. So fragten wir den guten Concierge an der Rezeption, was es denn vielleicht kosten würde, sich ein Boot zu leihen. Da brüllte der Mensch von Concierge durch den ganzen Saal, ob wir denn Kapitalisten seien oder was... Peinlich berührt haben wir dann eine 3-Stunden-Bootsfahrt für Pauschaltouristen gebucht. Das war wirklich sehr nett.

       An einem Tag trafen wir uns mit unseren Freunden, die auch zu dieser Zeit auf Mallorca weilten - allerdings ein einem schöneren Hotel, an einer schöneren Ecke und überhaupt. Wir trafen uns dann am sagenumworbenen Ballermann 6. Wir stellten fest, dass am Ballermann ein höheres Niveau herrschte als bei uns im Hotel. Und das soll was heißen.

       Eines anderen Tages haben wir uns dann im Morgengrauen - unbeobachtet vom Mob - noch schnell für einen Tag einen Mietwagen geleistet und sind dann durch die Gluthitze gefahren. Wohin weiß ich nicht mehr, schön war es auch nicht.

       Da wir ja immer gehört und im Fernsehen mitbekommen haben, dass auch Mallorca seine schönen Ecken hat, haben wir uns noch einmal für einen Tag ein Auto gemietet. Ein Tag, bevor wir abreisten. Denn schließlich will man ja auch mal was schönes sehen. Wahrhaftig haben wir dann auch nette Ecken gesehen - aber es war wieder so heiß, dass wir keine Lust mehr hatten, herumzufahren. Außerdem tut das dann noch mehr weh, wenn man dann wieder nach den schönen Sachen unser Hotel sieht...

       Endlich kam der Tag der Abreise. Schnell verschenkten wir noch unsere snobistische Luftmatratze an zwei alternde Freundinnen, die wir dort kennen gelernt haben. Die Damen reisten gemeinsam und stellten nach drei Tagen fest, dass sie kein Geld mehr hatten und die EC-Karten eingezogen wurden. Deshalb hatten sie sich auch sehr über die Luftmatratze gefreut.

       Wir flogen erst abends um 18.00 Uhr ab und erhielten dann ziemlich spät unsere Koffer. Wir standen da ja in kurzen Hosen und es war kalt und regnete. Die Rückfahrt von Hahn nach Düsseldorf war besonders anstrengend, weil wir nur nach Hause wollten.

       Abschließend ist festzuhalten, dass es alles in allem doch grenzwertig auszuhalten war.

       Jedoch leider nicht erholsam, wie es sich für einen richtigen Urlaub gehört. Angefangen von der Einflugschneise, über den Krach in der unter uns liegenden Küche und auch das Pärchen im Nebenzimmer, das jede Nacht um fast Punkt 3 Uhr schrie, wie am Spieß - im wahrsten Sinne des Wortes.

       Aber wir durften uns einmal als die "Snobs" fühlen - wo können WIR das schon?!

       Nach Mallorca zieht mich die nächsten 100 Jahre nichts - schade eigentlich, aber manchmal ist der erste Eindruck doch ausschlaggebend.

       Das Hotel ist sehr empfehlenswert für Fußballclubs oder Kegelclubs, oder eben für Leute, die gerne 24 Stunden lang saufen für "lau" wollen und das ohne Niveau.

    ©Birgit Heydn [www.fledder.purespace.de]


    Diese Geschichte ist in dem Buch
    "Urlaubsreif? Wahre Urlaubskatastrophen"
    im Verlag D.Riedelsheimer erschienen. Es kostet DM 19,80
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    Das knallrote Gummiboot  ist eine weitere Geschichte von Birgit

    Kurzgeschichtenzurück zum Kurzgeschichtenüberblick

 

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