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Faulheit

©Thomas Kurali


       Recht auf Faulheit? Auf diese Idee kann man nur kommen, wenn man in den Gedankengängen seiner Gegner denkt. Sehen wir uns die Welt aber unvoreingenommen und trotzdem kritisch an, sehen wir schnell, daß (zumindest in der ersten Welt) die Verpflichtung und Notwendigkeit besteht, kürzer zu treten. Sowohl zu unserem eignen wohl wie auch zum Wohle des ganzen Planeten. Warum?

       Nun, es lässt sich wohl nicht mehr bestreiten, daß wir mit unserem Konsumwahn unseren Planeten zumüllen. Da sich nur noch wenig herstellen lässt, was wir wirklich brauchen, werden wir immer mehr mit Werbung berieselt (bzw. Erschlagen), die uns, leider mit Erfolg, einreden will, daß wir diesen Unfug auch brauchen. In der Fachsprache nennt sich das "einen Bedarf wecken". Das ist an sich schon gelogen, suggeriert es doch, daß der Bedarf wirklich existierte, was aber keineswegs der Fall ist. Jeder Arbeitsgang produziert aber Müll, hier sogar dreifach: erstens das Produkt selbst - denn alles was hergestellt wird, ohne gebraucht zu werden ist Müll - die Herstellung dieses Produkts, und schließlich der Werbeaufwand. Und das , obwohl diese Energie in anderen Teilen der Erde dringend gebraucht wird. Aber da greift Lüge Nr.2, welche besagt, daß wir uns das mit unserer Arbeit und Leistung verdient haben. Dabei haben wir unseren Reichtum nur, weil wir unseren Vorsprung, den wir durch die Plünderung der restlichen Völker der Erde gewonnen haben, ausgebaut haben und diese größtenteils mit rechtlich abgesicherten Methoden weiter ausplündern. Und wenn diese Methoden nicht ausreichen, greifen wir auf altbewährte zurück, siehe z.B. CIA. Sollten die unterdrückten Völker sich erdreisten, sich zu wehren - mit den einzigen effektiven Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen - werden sie von dem Provokateur, der immerhin die effektivste und gefürchtetste Terrororganisation (s. o.) unterhält, als "Terroristen" beschimpft. Habt ihr euch schon mal überlegt, daß Einrichtungen wie Militär, Polizei und Verfassungsschutz zum Bruttosozialprodukt gezählt werden, also zum Reichtum eines Volkes? Es werden also Anteile zum Reichtum gezählt, die eigentlich abgezogen werden müssten. Oder erhöht es etwa unsere Lebensqualität, wenn wir Steuern für Panzer zahlen müssen, die durch immensen Treibstoffverbrauch und Übungsmunition unser Land zumüllen? Ich habe auch wenig Begeisterung von Leuten gehört, die mit Y-Reisen ("wir buchen, sie fluchen") unterwegs waren. Auch der Aufwand zur Müllbeseitigung wird zum Bruttosozialprodukt gerechnet! Fazit: wir quälen uns damit ab, Güter zu schützen, die wir gar nicht brauchen, die uns bei genauer Überlegung sogar ein Klotz am Bein sind. Aber wir haben es uns schließlich verdient! Haben wir das? Jawoll! Wer zu doof ist abzugeben, obwohl er an seinem Krempel erstickt, hat das verdient. Leider zieht man damit Leute in Mitleidenschaft, die nichts dafür können, außer daß sie vielleicht nicht genauso skrupellos dumm und borniert sind.

        Das Argument, mit dem alles gerechtfertigt wird, ist: Arbeitsplätze! Das ist nicht den Esel von hinten, sondern von unten aufgesattelt. Mehr Arbeitsplätze gibt's auch, wenn der Einzelne weniger arbeitet. Wenn wir weniger Konsumschnickschnack und Krempel kaufen, brauchen wir weniger Geld, müssen dann weniger arbeiten und hätten dann mehr Zeit. Zeit, die wir gut brauchen könnten, z. B für unsere Kinder, unsere Mitmenschen, und - für uns! Dann könnten wir z. B. unseren Kindern vorleben, daß es noch anderes gibt als den Konsumwahn, welchem unsere Kurzen (und Langen) auch deshalb frönen, weil sie ihn von der Gesellschaft - also von uns - eingebläut bekommen.

        Aber darin liegt der Hund begraben: eigentlich sind die wirklich faulen diejenigen, die fleißig an dieser Gesellschaft mitarbeiten. Sie sind zu faul, über ihren geringen Horizont hinaus zu blicken, zu bequem, aus ihrem eingetrichtertem Trott auszuscheren und es vielleicht mal anders zu probieren. Zum Schluß das wichtigste: der psychologische Faktor. Zufriedenheit und Glück sind innere Werte. Unsere Gesellschaft versucht, den Defizit an diesen Werten durch Konsumgüter und "fun-Gesellschaft" auszugleichen, was aber von vornherein zum scheitern verurteilt ist. Anstatt Befriedigung schaffen sie nur noch eine tiefere Selbstentfremdung, welches wiederum zu noch mehr Gier nach Konsum und Spaß führt, welches uns aber immer weiter von uns selbst entfremdet. So werden wir Sklaven, "Konsum und Spaßjunkie`s", denn Konsum und oberflächlicher Spaß sind nichts weiter als Ersatzbefriedigungen, Drogen, um unsere innere Leere zu betäuben.

        Natürlich ist dies ganz im Sinne der Konzernmanager (auch wenn sie dies niemals zugeben würden), genauso wie sie die ersten Opfer ihres Virus sind: denn glücklich, oder auch nur zufrieden (was nicht wenig ist) ist von ihnen kaum einer - seht euch nur mal ihre Gesichter genau an! Schließlich ist ihr innerer Aufwand, sich selbst und uns zu belügen, viel größer.

        Auch das ist Arbeit: eine Lebenslüge aufrecht zu erhalten. Dann kann ich nur sagen: ein Hoch einem jeden, der dazu zu faul ist!

        Eine gesunde Gesellschaft besteht aus gesunden Menschen. Für seine Gesundheit ist jeder selbst verantwortlich. Wer seine Verantwortung abgibt gibt im gleichen Maße seinen Einfluß auf sein Leben ab, das heißt er macht sich zum Sklaven äußerer Umstände. Nur wer sich Zeit nimmt, über sich selbst und sein Leben zu reflektieren, ist ein Mensch, kein ausgehöhlter Konsumzombie.





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